Obamas Drachenrede
Die Geschichte überraschte immer wieder aufs Neue mit Ereignissen, die sich auch die blühendste Fantasie so nicht vorzustellen vermochte, wie z. B. den Terroranschlag vom 11. September 2001. Ebenso „Undenkbares“ geschah am 10. Dezember 2009 im Rathaus der norwegischen Hauptstadt Oslo. An sich schon ein Novum, dass ein US-Präsident, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ein Jahr im Amt ist, den Friedensnobelpreis erhält. Aber dann geschah das Unvorstellbare, das Undenkbare.
In seiner Festrede sagt der frisch gebackene Preisträger und der Führer der einzig verbliebener militärischer Supermacht der Welt den Satz: „Es wird Zeiten geben, in denen Nationen – die allein oder gemeinsam handeln – den Einsatz von Gewalt nicht nur als notwendig, sondern als moralisch gerechtfertigt betrachten werden.“
Das muss man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen.
Keine 400 Jahre ist es her, dass die von der Gegenreformation verfolgten protestantischen Gläubigen über England in die Neue Welt flüchteten, um dort gottesfürchtig in Frieden leben zu können. Viele Bibelausleger wollen dies in der Bildersymbolik der Offenbarung des Johannes Kapitel 12, Vers 16 im Nachhinein erkannt haben: „Und die Erde half dem Weibe…“.
Selbstredend, wenn mit derselben Auslegungslogik im Text: „Und ich sah ein anderes Tier aufsteigen aus der Erde; das hatte zwei Hörner gleich einem Lamm und redete wie ein Drache“ (Offb. Kap. 13, Vers 11) die heutigen Vereinigten Staaten von Amerika identifiziert werden – sanft, sich für die Menschenrechte einsetzend und den Sitz der UNO auf ihrem Boden beherbergend einerseits, „feuerspeiender Drache“ wenn die Waffenkraft redet.
Erstaunlich die darauf folgende Schlagzeilen der nicht gerade in der Auslegung der Prophetie als bibelfest bekannten politischen Weltpresse, die von einem „Kriegspreisträger Obama“ sprachen oder wie jüngst in der „Financial Time Deutschland“-Onlineausgabe zu lesen: „Obamas Lizenz zum Töten“ (07.01.2010). Der Friedensnobelpreisträger Barack Hussein Obama wird zum James Bond im realen Leben – ein Doppel-Null-Agent.
Den verhasste „Krieg gegen den Terror“ seines Vorgängers Bush wird er nicht los. Der US-Präsident weiß, der Flug der Delta-Airline von Amsterdam nach Detroit entging nur knapp einer Katastrophe. Die nächsten Selbstmord-Attentäter sind schon in den Startlöchern. Obama ist sich dessen bewußt. In seiner Rede in Oslo sagte er auch den Satz: „Denn täuschen Sie sich nicht: Das Böse existiert auf der Welt“.
Obama wird weltweit Verbündete brauchen. Obwohl im liberalen US-Protestantismus verwurzelt, wird er sicher schon bald seine Hand „über den großen Teich“ nach Rom reichen. Im Vatikan laufen ohnehin seit Jahrhunderten die Fäden zusammen.
Anton Schosch, Redaktion TENDENZEN, Nürnberg